FAQ (die meist gestellten Fragen)
Braucht man wirklich Leckerchen? Warum reicht es nicht, zu loben und zu streicheln?
Leider gibt es nur sehr wenige Hunde, die freundliches Zureden und Streicheln an sich so angenehm finden, dass sie sich immer wieder dafür anstrengen und auch starke Ablenkungen (etwa spielende Hunde) ausser Acht lassen.
Es ist aber tatsächlich möglich, den Hund ohne Leckerchen und andere direkte Belohnungen auszubilden, und zwar auf folgende Weise: entweder Sie sperren den Hund den ganzen Tag in einen Zwinger und holen ihn nur zum Üben heraus. Unter diesen Umständen wird das Zusammensein mit Ihnen für den Hund so attraktiv, dass es als Belohnung evtl. ausreicht. Oder Sie arbeiten mit reichlich Leinenrucken und anderen negativen Einwirkungen. Unter diesen Umständen bedeutet Lob und Streicheln: "Du brauchst im Moment keine Strafen zu befürchten."
Darüber freut sich der Hund natürlich...
Wir wollen unsere Hunde nicht so ausbilden!!!
Irgendwann muss der Hund doch auch mal ohne Belohnung gehorchen!
Schön wär's! Aber ein Hund behält wie alle Tiere (und Menschen...) nur solche Verhaltensweisen bei, die ihm irgendwelche Vorteile bringen. Verhaltensweisen, die keine Vorteile mehr bringen, "sterben" früher oder später "aus". Das gilt selbstverständlich auch für den antrainierten Gehorsam Ihres Hundes.
Das heisst aber keineswegs, dass Sie Ihrem Hund lebenslang für jedes korrekte Befolgen eines einfachen Signals eine Belohnung geben müssen! Ganz im Gegenteil ist es wichtig, dass er nur noch unregelmässig und eher selten belohnt wird, wenn er die gewünschte Reaktion erst einmal gelernt hat, denn gerade dadurch wird das Gelernte ganz besonders zuverlässig. (Denken Sie nur daran, wie überaus hartnäckig ein Hund bei Tisch bettelt, obwohl vielleicht nur einmal die Woche dabei etwas für ihn abfällt!)
Ausserdem muss die Belohnung nicht immer ein Leckerchen sein, sondern kann auch in anderen Dingen oder Tätigkeiten bestehen, die der Hund gern hat.
Schön und gut, aber warum muss es unbedingt "Clickertraining" sein?
Der Clicker ist keine Spielerei oder ein neumodischer Schnickschnack, den wir nur verwenden, um Sie zu beeindrucken oder uns von anderen Hundeschulen abzuheben.
Es handelt sich einfach um das wirkungsvollste und "mächtigste" Ausbildungsmittel, das wir Ihnen zur Zeit bieten können. Nicht nur Hunde, sondern alle Tiere (Pferde, Ziegen, Filmtiere, Delphine und andere Wildtiere, ja sogar Fische) werden mit den Methoden des Clickertrainings erfolgreich ausgebildet.
Die Ausbildung mit dem Clicker ist ausserdem ein echter Weg zur Kommunikation mit dem Tier, der uns daher immer wieder neu fasziniert. Persönliche Eigenarten des Hundes werden nicht unterdrückt, sondern genutzt und in die richtigen Wege geleitet. Wenn Sie mehr über Clickertraining erfahren möchten, finden Sie unter "Presse" einen Artikel zum Thema.
Warum verzichtet "die andere Hundeausbildung" darauf, den Hund z.B. durch Druck aufs Hinterteil zum Sitzen zu bringen wie allgemein üblich?
Ihr Hund muss nicht erst lernen, bestimmte Bewegungen auszuführen. Er kann sich sehr viel besser von selbst hinsetzen oder -legen, als Sie ihn je durch Zwang dazu bringen könnten. Er muss nur noch lernen, wann er es tun soll (nämlich auf Ihr Signal hin) und wie genau er es tun soll (z.B. so lange sitzen bleiben, bis Sie ein anderes Zeichen geben). Den Hund herumzuschieben, zu drücken oder mit der Leine an ihm zu rucken ist dafür weder nötig noch sinnvoll, sondern lenkt ihn eher vom eigentlichen Lernprozess ab. Zudem stresst körperlicher Zwang – auch „sanfter“ - die allermeisten Hunde und nervt sie, schüchtert sie ein oder macht sie stur. Da Berührungen für den Hund offensichtlicher sind als Hörzeichen oder Handsignale, dauert es bei einer Ausbildung über Zwang auch meist sehr lange, bis der Hund auch ohne diese körperlichen "Hilfen" gehorcht.
Kann man zuverlässigen Gehorsam erreichen, ohne ihn an irgendeinem Punkt zu erzwingen?
Ja! Durch geeignetes Training kann man auch mit rein positiver Verstärkung problemlos dahin kommen, dass der Hund in den verschiedensten Situationen und bei Ablenkung zuverlässig gehorcht. Wir haben in vielen Jahren Erfahrung mit gewaltfreien Methoden überdies immer wieder erlebt, dass man mit rein positiver Verstärkung deutlich mehr erreicht als mit einer „Mischmotivation“ (also positive Verstärkung gemischt mit „Druck“ oder Zwang). Denn wenn der Hund befürchten muss, dass er für falsche oder ungenügende Reaktionen bestraft wird, wird er schnell widerwillig und gedrückt oder versucht sogar, sich der ganzen Übungssituation zu entziehen. Er ignoriert dann den Hundeführer oder sucht gar das Weite, sobald er die Gelegenheit bekommt (z.B. wenn er abgeleint ist).
Sicher muss ich aber dominant über meinen Hund sein, damit er mir gehorcht?
Mit dem Dominanzbegriff ist das so eine Sache – jeder versteht etwas anderes unter „Dominanz“ und im Grunde genommen erklärt das Wort gar nichts. Wir sind daher der Meinung, dass man das Hundeverhalten und das Verhältnis zwischen Hund und Besitzer viel besser ohne dass „D-Wort“ erklären und ggf. verändern kann. Um Problemlösungen zu finden oder die Beziehung zwischen Mensch und Hund zu verbessern, verlassen wir uns lieber auf die Erkenntnisse der Lernforschung, verbessern die Kommunikation zwischen Hund und Halter und berücksichtigen die Bedürfnisse beider Teampartner. Lange Listen mit starren Regeln, mit denen man dem Hund angeblich beweist, dass man ranghöher ist als er, sind dabei meist eher hinderlich.
Auch haben wir hier und da unsere Zweifel, wenn Hundetrainer mit dem Brustton der Überzeugung erklären, dass sie wissen was ihr Hund nun über sich selbst und die Rangposition zwischen ihm und seinem Menschen denkt.
Verliere ich nicht an Autorität, wenn ich darauf verzichte, die Befolgung meiner Kommandos durchzusetzen?
Nein. Diese Vorstellung beruht auf einem Missverständnis.
Das Befolgen von antrainierten Hör- oder Sichtzeichen ist aus Sicht des Hundes etwas Künstliches und hat mit der natürlichen Rangordnung in einem Wolfsrudel nichts zu tun. Kein noch so dominanter Alphawolf kann einem unterlegenen Rudelmitglied "befehlen", z.B. "Sitz-Bleib" zu machen, "Bei Fuß" zu gehen oder auf ein bestimmtes Zeichen herzukommen.
Wenn der Hund auf ein Signal einmal nicht reagiert, hat das also nichts mit "Dickköpfigkeit" oder Rebellion zu tun, sondern heisst einfach, dass er gerade nicht „gehorchen“ kann – entweder weil seine Ausbildung in diesem Punkt noch nicht weit genug fortgeschritten ist oder weil er einen triftigen Grund hat (z.B. gestresst ist oder ein körperliches Problem hat).
Dauert der Lernprozess nicht wesentlich länger, wenn man ausschließlich positive Verstärkung verwendet?
Das Gegenteil ist der Fall. Ausbildung mit Zwang oder Einschüchterung hat zwar eventuell etwas schnellere Anfangserfolge, aber mit rein positiver Verstärkung nutzt man die Bereitschaft des Hundes, mit seinem Menschen zu „arbeiten“, in vollem Umfang und fördert sie weiter, statt ihr immer wieder einen Dämpfer zu versetzen. Mit positiver Verstärkung ausgebildete Hunde werden daher mit der Zeit immer eifriger und besser, während negative Verstärkung mit der Zeit dazu führt, dass der Hund gehemmt und unlustig wird und durch den Stress, unter dem er immer wieder steht, nur noch schwer dazu lernen kann.
Darf ich denn nun gar nicht mehr schimpfen oder strafen, egal was der Hund macht?
Doch. Es gibt Situationen, in denen der Einsatz von Strafe der direkteste und einfachste Weg ist, um störendes oder sogar gefährliches Verhalten beim Hund abzustellen. Doch je geschickter man darin ist, den Hund über positive Verstärkung zu beeinflussen, desto seltener hat man das Bedürfnis, auf dieses Mittel zurückgreifen. Man sollte auch mit dem "Erziehungsmittel Strafe" immer vorsichtig und respektvoll umgehen, da es starke "Nebenwirkungen" (wie z.B. Vertrauensverlust) haben kann. Strafe erkauft in der Regel auch nur eine zeitweilige Unterdrückung des Verhaltens, ohne dass der Hund viel daraus lernt. In der Hundeausbildung (durch die der Hund lernt, etwas bestimmtes auf "Kommando" zu tun) sind Strafen daher auch grundsetzlich fehl am Platz. Bei der Erziehung des Hundes (bei der es auch oft darum geht, dem Hund unerwünschtes abzugewöhnen) kann eine Strafe eventuell einmal angebracht sein.
Quelle: Sabine Winkler
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